Qigong als Oberbegriff

Qigong ist eine Parallele zur Akupunktur mit dem Unterschied, dass es keine "richtige" Therapie ist. Mühelose Alltagsbeweglichkeit bis ins hohe Alter ist ein Ergebnis der leichten aber differenzierten Bewegungen, wenn sie regelmäßig betrieben werden.  

Qi - die Lebensenegie

Das Qi, die Lebensenergie, zirkuliert auf der Körperoberfläche in den sogenannten Meridianen. Dann taucht es ab und durchzieht wiederum systematisch das Körperinnere und die Organe.      

Qi ist laut der taoistischen Philosophie die Energie, die alle Lebensfunktionen in diesem Universum unterhält. Es entsteht zwischen den abstrakten Polaritäten Yin und Yang: Plus und Minus, Zentrifugal- versus Anziehungskraft,  Anfang und Ende. Qi lässt im Makrokosmos unsere Himmelskörper in den angemessenen Abständen umeinander kreisen, sich die Jahres- und Tageszeiten abwechseln, Frauen Männern attraktiv erscheinen (Sexualtät, Lust, Motivation) und eben das alles so. Im Mikrokosmos (dem Organismus) unterhält es alle osmotischen und elektromagnetischen Transmitter- und Stoffwechselfunktionen. Die Zirkulation des Qi ist abhängig von der Durchlässigkeit des Bindegewebes. Qi ist bei guter Übung im Körper spürbar. Es vermittelt bei Gelassenheit ein angenehmes Körpergefühl.

Meridiane und Akupunkturpunkte

"Der Mensch und die Tiere verfügen über ein Akupunktursystem, des fähig ist, Signale von außen aufzunehmen und sie dann in die entsprechenden Formen innerer Aktivität zu überführen." (Tichoplav 2013, S. 155)
Es ist das große und auf der Welt einzigartige Verdienst der chinesischen Heilsbemühungen die Meridiane und Akupunkturpunkte an der Oberfläche des Körpers als Übertragungs- und Informationsorte (Müller, München 2001) für  Lebensenergie systematisiert und nutzbar gemacht zu haben. Der Zugriff auf die Meridiane und Akupunkturpunkte durch Qigong erlaubt hier ausgleichend und harmonisierend einzuwirken. Dem liegt folgender Analogieschluss zugrunde: Wenn Emotionen die Muskulatur des Bewegungsapparates beeinflussen, kann ich auch über den Bewegungsapparat (die Qigong Formen) die Emotion erreichen. Die Namen der Akupunkturpunkte benennen wünschenswerte Wirkpotentiale die die Fähigkeit haben unser Lebensgefühl damit abzugleichen. Folglich entspannen sich auch unsere Gedanken. Als Folge davon prosperiert die Funktion der inneren Organe. Es hängt von der Bewegungsmethode ab, Körper und Seele durch Einwirken auf Meridianverläufe und Akupunkturpunkte in Einklang zu bringen. Gezielte Arbeit mit der Lebensenergie kann ureigene (seelische) Gesichtspunkte ins (Lebens-) Spiel bringen (den Geist verwurzeln), von denen man vielleicht noch gar nichts weiß. Gestaute Potentiale werden geglättet, Mangel füllt sich an. Resultat ist dann das Gefühl von  Identität und ... auch etwas mehr ENTSPANNUNG.

Lebenspflege

Durch diese Gesundheitstechniken verringert sich die Abhängigkeit von kollektiven Verhaltensmustern zu Gunsten authentischer und nicht vom Bewusstsein gesteuerter (z.B. angepasster) Persönlichkeit. Letztendlich wissen wir Menschen ja gar nicht, wo dieses ganze Leben herkommt und auch nicht wo die Reise hin geht. Aber damit umgehen, das müssen wir schon irgendwie. Und wir können das geschickt und klug (Lebenspflege) und auch unbeholfen und stereotyp tun. Intrinsische Ausrichtungen werden in der Pädagogik immer als die lohnenderen gegenübeer extrinsischen empfundenen. Man kann auch sagen: Das Leben (Leben als Allgemeinbegriff für Tao, Gott, Evolution, Datenbank oder wie immer man es nennen möchte) verschafft sich individuellen Aus- UND Eindruck durch jedes fühlendes Wesen.