Qigong als Oberbegriff

Qigong ist ein Oberbegriff, der sich zwischen den asiatischen Kampfkünsten und den Übungen der Gesundheitspflege aufspannt. Qigong bedeutet: Arbeit mit der Lebensenergie. Die Qigongs der Gesundheitspflege fächern sich auf in unterschiedliche Richtungen. Allen gemeinsam ist der Begriff "Yangsheng" (gesundheitspflegend). Qigong vereint in sich wohl alle uns im Westen bekannten Möglichkeiten, Gesundheit zu kreieren (außer den Ausdauerstoffwechsel und die Maximalkraft). Es trainiert den Bewegungsapparat, die neurologischen Systeme, die lymphatischen und vaskulären Systeme, die Atmung und last not least unsere geistigen Entitäten. Diese für uns Westler nachvollziehbaren Bezugssysteme belegen jedoch nur die hinteren Plätze. Ganz vorne steht das Training der Lebensenergie, des Qi.

Qi - die Lebensenegie

Qigong ist weit mehr als eine Entspannungsübung. Es sind Übung zur Pflege des Lebens überhaupt denn mein Zugriff auf meine Umwelt hängt ab von einer Güte. Um nachvollziehen zu können wie das bewerkstelligt wird ist ein genaueres Hinsehen auf die zugrundeliegenden Konzepte notwendig. Die Konzepte des Qigong entsprechen denen der Akupunktur.

Das Qi, die Lebensenergie, zirkuliert auf der Körperoberfläche in den sogenannten Meridianen. Dann taucht es ab und durchzieht wiederum systematisch das Körperinnere. Diese Tatsache ist naturwissenschaftlich nicht belegbar, empirisch dafür aber millionenfach bewiesen.     

Qi ist laut der taoistischen Philosophie die Energie, die alle Lebensfunktionen in diesem Universum unterhält. Es entsteht zwischen den abstrakten Polaritäten Yin und Yang: Plus und Minus, Zentrifugal- versus Zentripitalkraft,  Anfang und Ende. Qi lässt im Makrokosmos unsere Himmelskörper in den angemessenen Abständen umeinander kreisen, sich die Jahres- und Tageszeiten abwechseln, Frauen Männern attraktiv erscheinen (Sexualtät, Lust, Motivation) und eben das alles so. Im Mikrokosmos (dem Organismus) unterhält es alle osmotischen und elektromagnetischen Transmitter- und Stoffwechselfunktionen. Qi bewegt sich im Körper systematisch in den Leitbahnen des Bewegungsapparates und durchzieht dann die inneren Organe. Ausreichendes Qi in den Organen gewährleistet deren optimale Funktion. Die optimale Funktion der Organe wiederum verleiht die Möglichkeit, am Leben aufmerksam und gestaltend teilzunehmen. Qi ist bei guter Übung im Körper mit den sogenannten Propriorezeptoren im Muskel- und Bindegewebe spürbar. Es vermittelt ein angenehmes (erotisches) Körpergefühl, das man allerdings aushalten können muss (Männer!). Aus diesem Grund ist Gelassenheit im Qigong die oberste "Regel".

Meridiane-Organfunktion-Emotion  

Die inneren Organe, so das Konzept der chinesischen Medizin, sind Repräsentanten unserer grundlegenden 5 Emotionen:
Die Leber regiert Ärger versus Güte,
die Nieren Angst vs. Mut/ Willen,
das Herz Freude vs. Grausamkeit, 
der Magen Sorge vs. Verlässlichkeit,
die Lunge Trauer vs. Wertschätzung.
Die Organe sind nicht isolierbare Objekte. Es kommt ihnen analog zur Herausbildung des Körpers auch die Regulierung der Emotionen zu. Wird ein Organ über Jahre hinweg mit zu wenig Qi versorgt aufgrund muskulärer Verspannungen oder unangemessener Körperhaltung, wird, bevor der Körper erkrankt, erst einmal die dazugehörige Emotion "krank" und das Denken geht dauernd in Richtung der unausgeglichenen Emotion (z.B.: Ich werde ungerecht behandelt und bin deswegen traurig - Lunge). Regulieren wir nun durch Qigongübungen jene Körperregionen, die den betreffenden Meridian durchführen, regeneriert sich die betreffende Emotion und mit ihr auch das Organ.

TCM versus KCM - trau schau wem   

Der Geist/ Körper Zusammenhang wird von der TCM weitgehend unterschlagen. TCM ist ein Exportgut des kommunistischen Chinas das den Zusammenhang Geist/Materie nicht in Betracht zieht. Dieses kommt den europäischen Schulmedizinern sehr entgegen. Wer jedoch das Bedürfnis hat über die vom Materialismus vorgegebenen Begrenzungen hinaus zu gehen wird von der TCM nicht zufrieden gestellt werden können. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade westliche Akupunkteure nach den geistig/emotionalen Anteilen in der TCM suchen und die vormaoitische Zeit "Klassische Chinesische Medizin", KCM, nennen. In Europa bemühen sich Sinologen und Akupunkteure (siehe: Josef Viktor Müller, "Den Geist verwurzeln Bd.1 und 2) alte Wissensbestände ans Tageslicht zu befördern, die durch die chinesische Kulturrevolution vernichtet wurden.In der Klassischen Chinesischen Medizin heißt es:
                          
                              "Der kluge Arzt heilt Bestimmung!"


Gesundheit kann hiernach nur geschehen, wenn ein Mensch seine Bestimmung, seinen Lebensplan realisiert. Hiernach existiert im Universum ein Plan von jedem Menschen, der erfüllt werden möchte. Auffällig sind in diesem Zusammenhang jene Akupunkturpunkte die in ihrem Namen Bezüge zu Vorfahren (Ahnengrabhügel in der Wildnis: Gallenblase 40, Ursprugstor: Ren Mai 4 oder Tor der Bestimmung: DuMai 4) und vorgeburtlichen Dispositionen herstellen. Das impliziert einen altbekannten Tatbestand: Die Korruption der Ursprungspersönlichkeit durch vermeintlich äußere Zwänge. In diesem Sinne meinte es wohl auch der hannoversche Gelehrte Leibnitz:

                      "Der Körper ist der Ausdruck deiner Seele."

So benutzen wir die Akupunkturpunkte, die Verbindungsstellen für das Qi, um unsere persönliche/individuellen Qualitäten zu aktivieren und zurückzugewinnen. Jeder Akupunkturpunkt (es gibt ~360!) vertritt eine bestimmte emotionale und analog dazu physiologische Funktion.

Mir ist bewusst, dass so eine Position in unserer "modernen" Massen-  Informations- Wegwerf- und Individualgesellschaft ein riesiges Problem ist. (Siehe der Film Matrix) Wo Selbstbestimmung ganz oben steht, wie kann da ein Lebensplan befolgt werden?

Dennoch: An dieser Stelle schließen sich die Kreise und bestätigen alte und neue abendländische Positionen, beispielhaft repräsentiert von
Huter/Köstrian     - Physiognomie,
Jung                   - Tiefenpsychologie
Sheldrake/Broers - Morphogenetische Felder
Belschner            - Zwischen den Bewusstseinsebenen navigieren.
Pears                  - Körpersprache
Lipton                 - Intelligente Zellen

... und last not least wäre da noch der Volksmund zu nennen: "Dir ist wohl heute eine Laus über die Leber gelaufen." (Ärger- Leberreizung oder längst fälliger Klartext)