Qigong als Oberbegriff

Ob Qigong, Taiji oder asiatische Kampfkünste, sie alle sind angelehnt an die Konzepte der Akupunkturlehre. Qigong klopft, stretcht oder drückt Akupunkturpunkte durch Bewegen. Gerade die Stilrichtung DAOYIN QIGONG entwickelt und erhält durch seine Gymnastik Alltagsbeweglichkeit bis ins hohe Alter.  

Qi - die Lebensenergie

Qigong bedeutet Arbeit mit der Lebensenergie. Albert Einstein als Physiker hatte große Schwierigkeiten, diese Art von Energie in seinem Weltbild unterzubringen. Qi zirkuliert im Unterhautfettgewebe des Körpers. Hier liegen die Meridiane und Akupunkturpunkte. Am Ende des Meridians taucht Qi von der Oberfläche des Körpers ab und durchzieht, wiederum systematisch, das Körperinnere und die Organe.     

Qi ist laut der taoistischen Philosophie die Energie, die alle physikalischen Funktionen in diesem Universum unterhält. Es entsteht zwischen den abstrakten Polaritäten Yin und Yang: Plus und Minus, Zentrifugal- versus Anziehungskraft,  Anfang und Ende. Im Mikrokosmos (dem Organismus) unterhält es alle osmotischen und elektromagnetischen Transmitter- und Stoffwechselfunktionen. Dabei gilt folgende Hierarchie:

             - Geist führt Qi,
             - Qi führt Materie (Blut und Lymphe),
             - Materie befördert alle lebenswichtigen Nährstoffe.

Die Zirkulation des Qi ist abhängig von der Durchlässigkeit des Bindegewebes im Verlauf der Meridiane. Qi ist bei guter Übung im Körper spürbar. Es vermittelt bei Gelassenheit ein angenehmes Körpergefühl.


Pflege der Persönlichkeit

Mit den Namen der 360 Akupunkturpunkte auf diesen Medianen sind genau gefasste Wirkpotentiale benannt. Wirke ich auf einen Akupunkturpunkt oder einen Meridianverlauf ein, sammelt sich dort Qi, das Aktivpotential des Lebens. Qi akiviert oder sediert dort gewünschte Organe und gleichermaßen geistige/emotionale Eigenschaften.  Akupunkturpunkte werden Pfeiler der Seele genannt. Damit ist gemeint, dass über die Akupunkturpunkte Kontakt hergestellt wird zu dem Informationspool der dein Qi andauernd informiert, nenn es Seele. Diese kennt alle deine perönlichen Bedürfnisse. Das ist Pflege der Persönlichkeit.

Durch die Gesundheitstechnik Qigong verringert sich die Abhängigkeit von gesellschaftlich geforderten Verhaltensmustern zugunsten autentischer und nicht von unserem Selbstbild bestimmter Persönlichkeitsentwicklung.

Innere Alchemie

Die Stoffwechselprozesse im Körper sind chemischer Natur. Sie können nur optimal verlaufen innerhalb eines bestimmten Temperaturbereiches und innerhalb eines bestimmten Feuchtigkeitsmilieus. Lösen, binden, temperieren sind die Grundvoraussetzungen für chemische Prozesse. Die gute Verteilung von Yin und Yang Energie in den Organen sorgt dafür, dass weder Unter- noch Überversorgung stattfindet, der Stoffwechsel weder überhitzt, austrocknet, unterkühlt oder aufschwämmt. Alchemie schließt, gegenüber der Chemie, das Denken, die Absicht in die chemischen Prozesse ein. Qigong bewerkstelligt also über den bewussten Zugriff auf den Bewegungsapparat= die Meridiane, die Regulierung der chemischen Zellstoffwechselprozesse. 

Pflege des Lebens

Leben ist ein ständiger Entwicklungsprozess. Um zu verstehen, mit welchen Einflussgrößen Qigong arbeitet, ist im Weiteren der Begriff SHEN zu berücksichtigen. Er bedeutet wiederum Geist. Gemeint ist eine Art Matrix, ein Informationsgeflecht, aus dem heraus sich Leben entwickelt und in sinnvolle Zusammenhänge setzt. Die Mitwirkung von Shen ist durch Akupunkturpunkte repräsentiert und kann durch Übungen bewusst aufgerufen werden. Shen bringt die Evolution hervor. Evolution ist kein Zufall, sie ist Absicht. Anstatt sich also lediglich für das eigene Fortkommen zu interessieren, besteht für jedes Menschenleben ein Imperativ zum kollektiven Mehrwert beizutragen.

Eine Religion ist für diese Betrachtungsweisen nicht erforderlich. Es ist das Resultat unvoreingenommenen Denkens.